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Anmerkung zu meiner Arbeit

In der modernen Welt werden wir täglich, fast ohne darauf zu achten, ständigem Berieseln durch Lärm verschiedener Herkunft ausgesetzt. Das Schlagwort Reizüberflutung ist ein gängiger Begriff.
Reize auf all unsere Sinne, auf Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, drängen sich so in den Vordergrund, dass wir auf Dinge wie z.B. die Intuition kaum noch achten. Dazu kommt noch die allgemeine Beschleunigung; Geschwindigkeit, die das mentale Empfinden unterdrückt. Intuition, Feinheiten, Hintergründe bleiben oft auf der Strecke. Wir nehmen uns durch das Vorbeirasen die Chance hinter die Dinge zu blicken, kurz inne zu halten, sich mit ihnen auseinander zu setzten, ihnen auf den Grund zu gehen.

Ein Spruch von Khalil Gibran trifft hier sehr gut zu:
„Entdecke die verborgene Schönheit, in ihren Formen und Farben.
Betrachte aufmerksam das, was die Menschen hässlich finden,
bis es seine Schönheit offenbart.“

Schönheit nicht in den von Medien festgelegten äußerlichen Standards, sondern in den feinen Nuancen der Schwingungen, die von Lebewesen als auch von Dingen ausgesandt werden. Etwas auf sich wirken lassen, die uns allen innewohnende Sensibilität zulassen, um eben diese leisen Töne nicht zu überhören. Ob in zwischenmenschlichen Bereichen oder mit Gegenständen, auf allen Ebenen wird ständig nonverbal in aller Stille miteinander kommuniziert.
In meinen Bildern und Skulpturen sind daher keine „Sprechblasen“ oder Ausrufungszeichen zu finden, gemeint sind sensationsheischende, spektakuläre, sofort ins Auge springende Provokationen. In der Darstellung beschäftigt mich das Wachstum durch verschiedene Lebenssituationen, die innere Ruhe des Menschen, seine Haltung und Körpersprache. Dieses “Über sich Hinauswachsen” ist ein grundlegender Bestandteil meiner Konzeption. Die Realität menschlichen Lebens ist der zentrale Mittelpunkt meiner Arbeiten, die Zuwendung zum Dasein.

Jeder bildende Künstler lernt sein Leben lang das Sehen. Ich werde oft gefragt “Wie geht das, wie machst du das?” Diese Fragen beziehen sich im Grunde auf die Technik. Techniken können von jedem erlernt werden, jedoch die bestimmte Sicht der Dinge ist des Künstlers ureigenstes Fundament. Eine Sicht die sich nicht nur durch optische Betrachtung im Kopf abspielt, sondern auch durch den Bauch geht. Und so, in totaler Verinnerlichung wieder nach außen drängt, um sich in der dem Künstler eigenen Umsetzung, dem Betrachter vorzustellen.
Damit nun meine Sichtweise Gestalt annimmt, habe ich die unterschiedlichsten Techniken erlernt, abgesehen von der traditionellen Ausbildung in Malerei und Zeichnung, viel experimentiert, um dann das Sinnvollste anzuwenden. Der Wechsel und auch die Verbindung zwischen der zweiten und dritten Dimension kann etliche Fragen lösen, etwa den Ausdruck von Geschlossenheit, von Körperlichkeit und Form. Was bleibt sind die Körpersprache als Ausdruck für die Schwingungen.
In der Malerei dargestellt durch viele Schichten, bis hin zum Relief. Acrylfarben, in Verbindung mit Sand und Steinen, bringen Strukturen von Tiefe und Leben hervor. Sie gewähren durch ihre Transparenz einen Blick auf das Innerste, die Seele, die Geisteshaltung meiner Menschen. Die zum Teil architektonischen Elemente in den Bildern und Skulpturen sollen eine beruhigende und vertraute Konstante im schnelllebigen menschlichen Beziehungsgeflecht herstellen. Um den gesamten Körper und dessen Sprache zu erfassen und gewissermaßen zum Herzstück der Körperlichkeit zu gelangen, arbeite ich manchmal nur am Torso.

Die unterschiedlichen Techniken und Materialien sind Voraussetzung und Herausforderung, der ich mich immer wieder stelle. Den umfangreichen Prozess zur Erstellung einer Bronzeplastik erlernte ich durch das Arbeiten in einer Gießerei. Meine Plastiken erstelle ich weitgehend selbst, um diesen Vorgang nicht ganz einer Kunstgießerei zu überlassen. Denn auf diese Weise sind bei jedem Arbeitsschritt Änderungen möglich. Steine habe ich bearbeitet vom kleinen Speckstein bis zum vier Tonnen Block Urgestein für private und öffentliche Aufträge. Beide Medien vereint ergeben ein Bild unterschiedlicher, jedoch ineinander wachsender Materialsprache. Ein Goldschmied arbeitet nicht wesentlich anders, der Stein wird in Metall gefasst, um ihn zu erhöhen. Naturbelassener oder polierter Stein in seiner Statik, steht der Geschmeidigkeit, aber auch roh strukturierten Oberfläche der Bronze gegenüber. Die Verbindung beider Stoffe erlaubt die Darstellung des aus sich Herauswachsens in großer Bewegtheit.

Was wir auch immer in die Dinge hineinlegen, dem Betrachter steht es offen sie für sich zu interpretieren. Manche werden sicherlich vieles ganz anders sehen als ich, sehen andere Hintergründe, andere Bedeutungen und haben ihre private Symbolik. Jedem seinen eigenen Weg um unter die Oberfläche zu schauen.


Stefanie v. Quast